Psychologische Sicherheit stärkt die Resilienz im Team

Wenn Resilienz im Team gefördert wird, kann die psychologische Sicherheit gezielt gestärkt werden. Da Resilienz im Prozess der Überwindung von schwierigen Situationen entsteht und gefördert wird, kann bereits die Beachtung und Bearbeitung der psychologischen Sicherheit dazu beitragen.

Dabei gilt: Sowohl die psy­cho­lo­gi­sche Sicher­heit als auch das Resi­li­en­z­kon­zept geben Hoff­nung, wenn es schwer im Team wird. Aller­dings geht das Resi­li­en­z­kon­zept noch ein Stück wei­ter, da es mög­li­che Anknüpfungs- bzw. Ein­stiegs­punk­te lie­fert: anhand der Coping-Strategien und Resi­li­enz­fak­to­ren kann ein ein­fa­cher Ein­stieg in bei­des erfolgen.

Was bedeutet Resilienz?

In der Welt des Arbeits­le­bens begeg­nen wir täg­lich Her­aus­for­de­run­gen und Stress­fak­to­ren, die sich nega­tiv auf unser Wohl­be­fin­den aus­wir­ken. Doch die­se bie­ten zugleich die Mög­lich­keit, Resi­li­enz zu gewin­nen, da die­se erst mit der Über­win­dung bzw. Bewäl­ti­gung der wid­ri­gen Umstän­de ent­steht. Soge­nann­te Coping-Strategien (deutsch Bewäl­ti­gungs­stra­te­gien) tra­gen dazu bei, die­se bes­ser zu bewäl­ti­gen und Ver­trau­en in die eige­ne Stär­ke aufzubauen.

Was auf Ein­zel­per­so­nen zutrifft, lässt sich auch auf Grup­pen über­tra­gen. Doch hier kommt noch ein wei­te­rer Aspekt zum Tra­gen: die psy­cho­lo­gi­sche Sicher­heit im Team. Ist die­se gege­ben, ver­bes­sert sich die Resi­li­enz, da zum Bei­spiel offe­ner über Feh­ler gespro­chen wird und damit eine Mög­lich­keit besteht, die­se zu bespre­chen, Neu­es zu ler­nen und den Hori­zont zu erweitern.

Beispiele für Coping-Strategien im Team

Die Coping-Strategie ‘Posi­ti­ve Neu­in­ter­pre­ta­ti­on und Wachs­tum’ nach C.S. Car­ter (COPE Inven­to­ry, C. S. Car­ver, 2013) stellt im Kon­text der Resi­li­enz zwei­fel­los eine der wesent­lichs­ten dar, da sie mit dem Resi­li­enz­fak­tor Opti­mis­mus in Ein­klang steht, wie es das Sprich­wort ‘Wenn dir das Leben Zitro­nen gibt, mach Limo­na­de draus’ ver­deut­licht. Wenn die­se Grund­hal­tung im Team gelebt wird, för­dert sie gleich­zei­tig die Krea­ti­vi­tät bei der Lösungs­fin­dung. Dar­über hin­aus ermu­tigt sie dazu, Feh­ler und belas­ten­de Situa­tio­nen offe­ner zu bespre­chen, da eine Lösungs­ori­en­tie­rung im Vor­der­grund steht. Dies steht bereits im Ein­klang mit dem Kon­zept der psy­cho­lo­gi­schen Sicherheit.”

Das Bewusst­wer­den der eige­nen Team-Resilienz ver­bes­sert dar­über hin­aus den Umgang mit Rück­schlä­gen. Hier kom­men Coping-Strategien wie „instru­men­tel­le Unter­stüt­zung“, also Rat­schlä­ge und Hin­wei­se aus dem Team zur wei­te­ren Vor­ge­hens­wei­se, sowie eine „emo­tio­na­le Unter­stüt­zung“ zum Tra­gen. Bei letz­te­rer stär­ken Ermu­ti­gun­gen oder Trost in einem Team die Bereit­schaft, Feh­ler oder Kri­sen zu akzep­tie­ren, ohne in eine resi­gna­ti­ve Hal­tung zu verfallen. 

Der Einstieg in die Resilienz

Der Ein­stieg in die Resi­li­enz im Team kann zum Bei­spiel mit fol­gen­den Aspek­ten ein­fach gelingen:

  1. Sich der eige­nen Res­sour­cen im Team bewusst­wer­den: Vie­le erfolg­rei­che Sport­teams bespre­chen in schwie­ri­gen Situa­tio­nen ihre Stär­ken, um sich die­ser bewusst zu wer­den und gestärkt aufs Spiel­feld zu gehen. Über­tra­gen auf Teams in der Arbeits­welt bedeu­tet dies, die eige­nen Stär­ken und Res­sour­cen zu iden­ti­fi­zie­ren und immer wie­der dar­über zu spre­chen, wie die­se einen bestärken.

  2. Refle­xi­on: Regel­mä­ßi­ge Refle­xi­ons­pro­zes­se im Team unter­stüt­zen das eige­ne Ver­ste­hen von ver­gan­ge­nen Situa­tio­nen und för­dern das Ler­nen für die Zukunft. Dies kann zum Bei­spiel in Form von Super­vi­si­on oder kol­le­gia­le Bera­tung stattfinden.

  3. Resi­li­enz­fak­to­ren beach­ten: Resi­li­enz­fak­to­ren mit Hand­lungs­aspek­ten wie „Zukunft gestal­ten“ oder „Netz­werk und Bezie­hun­gen gestal­ten“ beinhal­ten bereits kon­kre­te Hin­wei­se: Z.B. gemein­sam im Team eine Jah­res­pla­nung mit Kon­takt­punk­ten wie der Weih­nachts­fei­er oder ande­ren Ter­mi­nen inner­halb des Teams und außer­halb zahlt bereits auf bei­de Fak­to­ren ein. Die gemein­sa­me Bear­bei­tung des Resi­li­enz­fak­tors „Opti­mis­mus“ för­dert eben­falls eine posi­ti­ve Grund­hal­tung im Team. Eine hilf­rei­che Metho­de ist z.B. ein Reframing anzu­wen­den, um einen Per­spek­tiv­wech­sel zu ermöglichen.

Mit den gezeig­ten Anknüp­fungs­punk­ten kön­nen sowohl die Psy­cho­lo­gi­sche Sicher­heit als auch Resi­li­enz im Team gestärkt wer­den. Bei bei­den han­delt es sich um zwei Schlüs­sel­fak­to­ren für ein gesun­des und pro­duk­ti­ves Arbeits­um­feld, die zu fol­gen­den Aspek­ten beitragen:

  • Einen offe­nen Aus­tausch zu fördern
  • einen Umgang mit Unsi­cher­hei­ten und Ver­än­de­run­gen zu finden
  • gemach­te Feh­ler als Lern­mög­lich­keit zu sehen
  • den Zusam­men­halt im Team zu stärken
  • sowohl die indi­vi­du­el­le als auch die kol­lek­ti­ve Ent­wick­lung zu fördern.

Abschlie­ßend kann fest­ge­hal­ten wer­den, dass die psy­cho­lo­gi­sche Sicher­heit und die Team­re­si­li­enz dazu bei­tra­gen, dass Teams wider­stands­fä­hi­ger gegen­über Stress und Unsi­cher­hei­ten wer­den und damit erfolg­rei­cher mit den all­täg­li­chen Her­aus­for­de­run­gen umge­hen können.

Hin­weis:
Die­ser Text ist die gekürz­te Fas­sung eines Bei­trags von Moni­ka Huber im Buch “Psy­cho­lo­gi­sche Sicher­heit – Die Super­kraft erfolg­rei­cher Teams” von Karin Vol­bracht, das im März 2023 im Hau­fe Ver­lag erscheint.

Lite­ra­tur:
C. S. Car­ver, M. F. Schei­er, J. K. Wein­traub (1989): Asses­sing Coping Stra­te­gies: A Theo­re­ti­cal­ly Based Approach, ver­öf­fent­licht in Jour­nal of Per­so­na­li­ty and Social Psy­cho­lo­gy, 1989, Volu­me 56, No. 2, S. 267–283

M. Huber (2019): Resi­li­enz im Team – Ideen und Anwen­dungs­kon­zep­te für Tea­ment­wick­lung, Sprin­ger, Heidelberg.

Online-Quellen:
M. Huber: Blog­bei­trag „Resi­li­enz im Team: Ein unter­schätz­tes The­ma in Pfle­ge­be­ru­fen“

M. Huber: Blog­bei­trag „Resi­li­enz – mehr als ein Kon­zept“

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